Handgezeichnetes Portrait von Stephan von Neipperg.

Château d'Aiguilhe

Stephan von Neipperg

Côtes du Castillon - Bordeaux - Frankreich

Das geschichtsträchtige Château d’Aiguilhe gehört zu den eindrucksvollsten, am stärksten geschätzten und dynamischsten Weingütern des gesamten rechten Ufers im Bordelais. Das Anwesen, dessen imposante Schlossruine aus dem dreizehnten Jahrhundert stammt, liegt eingebettet in die sanft geschwungene Hügellandschaft der Appellation Castillon – Côtes de Bordeaux. Unter der klarsichtigen Führung von Graf Stephan von Neipperg, der auch für Weltruhm-Kultweine wie Château Canon-la-Gaffelière und La Mondotte verantwortlich zeichnet, hat sich dieses Terroir zu einem absoluten Leuchtturm für kompromisslose Bordeaux-Kultur entwickelt. Wer nach der perfekten Symbiose aus samtenem Körper, straffer Struktur, intensiver Reinfrucht und kühler Rasse sucht, findet im Fokus-Keyword Château d’Aiguilhe die ideale Antwort. Dieses Ausnahmegut beweist eindrücklich, dass das östliche Hinterland von Saint-Émilion aristokratische Terroir-Exzellenz hervorbringt, die in Sachen Finesse, Dichte und Reifepotenzial den berühmtesten Nachbar-Appellationen in nichts nachsteht.

Das unerschütterliche Fundament für das unerreichte Rückgrat und die mineralische Eleganz von Château d’Aiguilhe bildet die bemerkenswerte Geologie der knapp fünfzig Hektar zusammenhängenden Rebfläche. Das Hochplateau von Castillon stellt die direkte, unterbrechungsfreie geologische Verlängerung des weltberühmten Kalksteinplateaus von Saint-Émilion dar. Der Untergrund zeichnet sich durch einen kargen, extrem tiefgründigen Sockel aus prähistorischem Astéries-Muschelkalkstein aus, der von einer feinen Auflageschicht aus lehmig-tonigen Sedimenten und kalkhaltigem Mergel überzogen ist. Diese hochkomplexe Bodenstruktur erfüllt im Weinberg eine essenzielle hydrologische wie thermische Ausgleichsfunktion. Der porenreiche, schwammartige Kalksteinsockel absorbiert intensive Niederschläge umgehend und leitet überschüssiges Wasser rasch ab, während die tiefen Tonlagen die Feuchtigkeit speichern und den Rebstöcken in heissen Sommermonaten feinstdosiert zur Verfügung stellen. Die Wurzeln der tief verwurzelten Knorpelreben sind gezwungen, sich durch die schmalen Spalten des harten Felses zu graben, was dem Wein seine charakteristische, feinsalzige Mineralität, ein straffes Tanningerüst und eine kühle, aristokratische Frische verleiht.

Zu den prägenden Besonderheiten dieser exponierten Weinberglage gehört die durchgehende, atemberaubende Südausrichtung der Parzellen, die sich wie ein natürliches Amphitheater an den Hang schmiegen. Diese Topografie garantiert den Rebstöcken eine maximale Sonneneinstrahlung über den gesamten Tagesverlauf, während kühlende Winde von den nahe gelegenen Flussläufen der Dordogne für eine stetige, natürliche Durchlüftung der Laubwand sorgen. Diese Zirkulation hält die Traubenzonen trocken und schützt das Lesegut wirksam vor mikrobieller Feuchtigkeit und Pilzerkrankungen. Der Rebsortenspiegel ist perfekt auf die Geologie des Plateaus abgestimmt und wird von einem hohen Anteil an Merlot dominiert, der auf den lehmig-kalkigen Böden seine vollmundige, samtige Textur entfaltet, ergänzt durch feingliedrigen, würzigen Cabernet Franc. Seit vielen Jahren wird der gesamte Betrieb mit grossem Respekt vor dem natürlichen Gleichgewicht bewirtschaftet, um die biologische Aktivität des Kalksteinsockels zu fördern und die Reben zu stärken. Aus diesem Zusammenspiel erwächst ein faszinierendes Aromenspektrum von reifen Schwarzkirschen, wilden Brombeeren, Mokka, frischem Graphit und den ätherischen Noten des umliegenden Waldgebietes.

Die Antwort auf die Frage, wie die meisterhafte Cuvée von Château d’Aiguilhe entsteht, liegt in einem zutiefst akribischen, von absoluter Präzision geprägten Keller- und Weinbergshandwerk nach der bewährten Philosophie des Hauses Neipperg. Die Betreuung der einzelnen Rebstöcke erfolgt das gesamte Vegetationsjahr über in rein manueller Handarbeit, woraufhin die Ernte ausnahmslos von Hand in kleine Kisten vollzogen wird. Auf dem Weingut durchlaufen die Beeren eine streng selektierte Kontrolle auf optischen Sortiertischen, um ausschliesslich vollkommen makelloses und physiologisch ausgereiftes Lesegut zur Vinifikation zuzulassen. Die Gärung verläuft schonend nach dem Prinzip der Schwerkraft in temperaturkontrollierten Eichenholzständern und Betontanks, wobei die Vergärung spontan durch die weingutseigenen Wildhefen eingeleitet wird. Die Extraktion der Farbstoffe und Tannine erfolgt extrem behutsam durch sanftes Unterstossen des Tresterhuts, was die seidige Struktur der Gerbstoffe garantiert. Der anschliessende Ausbau erstreckt sich über vierzehn bis achtzehn Monate in Barriques aus feinporiger französischer Eiche, wobei ein feinst abgestimmter Anteil an neuem Holz zum Einsatz kommt. Der langmütige Ausbau auf der Feinhefe ohne scharfe Filtrationen bewahrt die unverfälschte Terroir-Seele vollkommen ungarviert in der Flasche.

1 von 5